Digitale Transformation für den Mittelstand - das Prinzip „Gezähmter Agilität“ in der Software- und Projektentwicklung - Im Interview mit Dr. Simon Grapenthin, CEO der Interaction Room GmbH

simon grapenthin WEBDie Interaction Room GmbH ist ein IT-Dienstleister mit Sitz in Essen, der auf die Unterstützung moderner Softwareentwicklungsprozesse und die Entwicklung zukunftsfähiger Softwaresysteme spezialisiert ist. Das Unternehmen baut auf das Prinzip „Gezähmter Agilität“ und verbinden so agile und klassische Softwareentwicklung. Dadurch sollen eine erhöhte Flexibilität und Geschwindigkeit beim Umsetzen der Projekte erreicht werden. Im Interview mit Dr. Simon Grapenthin, CEO der Interaction Room GmbH, sprechen wir heute über Risiken in der Softwareentwicklung sowie in der Projektsteuerung und die Vorteile einer neuen Herangehensweise.

DFC: Herr Dr. Grapenthin, die digitale Transformation und die damit verbundene Implementierung neuer Software Tools im Unternehmen ist die große Aufgabe für alle Unternehmen. Worin sehen Sie derzeit die größte Herausforderung für Geschäftsführer und Top Entscheider in den deutschen Unternehmen?

Dr. Simon Grapenthin: Eine wesentliche Frage ist sicherlich “make or buy”. Häufig werden Standardprodukte erworben, weil die Kosten dafür vermeintlich geringer sind. Geschäftsprozesse werden an die Funktionen der Software angepasst, die Mitarbeiter haben sich danach zu richten. Dies führt schnell zu Unzufriedenheit und mangelnder Akzeptanz neuer Lösungen. Wird zu viel Customizing der Standardsoftware betrieben, geht die Updatefähigkeit und damit der Vorteil eines Produktes verloren. Um die Frage zu beantworten, müssen also unterschiedliche Gesichtspunkte berücksichtigt werden. Eine konsequente Wertorientierung hilft dabei, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Es muss beispielsweise nicht alles digitalisiert werden. Stattdessen sollte dort investiert werden, wo der größte Nutzen entsteht.

DFC: Softwareentwicklung hat sich in den letzten Jahren ziemlich geändert. Dennoch gibt es Unternehmen die Lastenhefte schreiben und viel Zeit mit Vorbereitung verlieren. Was spricht Ihrer Meinung nach für ein Umdenken in Richtung agile Entwicklung?

Dr. Simon Grapenthin: Zuerst möchte ich mit dem Vorurteil aufräumen, dass in agilen Prozessen nicht dokumentiert wird. Dokumentation ist gut und wichtig, gerade in agilen Prozessen. Allerdings muss sie pragmatisch angefertigt und zielorientiert sein. Die große Herausforderung dabei ist, dass Menschen ausführlich beschreiben, was sie gut verstanden haben. Das was weniger verstanden ist, wird auch weniger ausführlich beschrieben. Wertschöpfend wäre es allerdings genau anders herum: Dinge, die nicht ausreichend verstanden wurden, priorisiert zu beschreiben und zu klären, um der unausweichlichen Ungewissheit in der Softwareentwicklung Rechnung zu tragen. Deshalb plädieren wir auch für Gezähmte Agilität. Durch eine frühzeitige Fokussierung auf erfolgskritische Projektaspekte, deren Analyse und Dokumentation, können wir das Beste aus beiden Welten (klassischer und agiler Softwareentwicklung) verbinden: Flexibilität und Geschwindigkeit agiler Entwicklung mit einem Planungshorizont, der etwas umfassender ist als sonst üblich.

DFC: Auf ihrer Internetseite kann man lesen, dass Sie eine wissenschaftlich fundierte Vorgehensweise zum Einsatz bringen. Was kann man sich darunter vorstellen?

Dr. Simon Grapenthin: Wir sind ein Spinn-Off der Universität Duisburg-Essen und haben das Unternehmen auf Grundlage unterschiedlicher Promotionen gegründet. Dabei haben wir den Nutzen unserer Vorgehensweise untersucht und konnten beispielsweise zeigen, dass Aufwandsschätzungen signifikant präziser werden.

DFC: Warum ist Agilität im Rahmen der Digitalisierung der Unternehmen heute so wichtig?

Dr. Simon Grapenthin: Durch Digitalisierung erfahren wir ein zunehmendes Erfordernis an Geschwindigkeit. Während eine Technologie früher Jahre benötigt hat um 50 Millionen Nutzer zu verzeichnen, sind es heute nur noch wenige Tage. Zusätzlich nimmt die ohnehin bereits hohe Komplexität, durch Technologien wie Blockchain, Machine Learning oder Smart Objects weiter zu. In einem solchen Setting muss in kurzen Zyklen, mit raschem Feedback und Schritt für Schritt entwickelt werden.

DFC: Bei der ganzen technischen Entwicklung hat man oft den Eindruck, dass die Menschen nicht mehr im Mittelpunkt der Unternehmung stehen. Was bietet Ihr Unternehmen an, damit der technische Wandel auch mit einem Kulturwandel im Unternehmen einhergeht?

Dr. Simon Grapenthin: Unsere Vorgehensweise basiert auf der Annahme, dass zur Lösung eines Problems immer zunächst eine Einschätzung des Problems aus unterschiedlichen Blickwinkeln notwendig ist. Deswegen arbeiten wir bereits zu Beginn eines Projekts in interdisziplinären Teams, die in die Konzeption der Lösung involviert werden. Dies hat einige Vorteile: Alle relevanten Stakeholder können Ihre erfolgskritischen Aspekte einbringen, sodass wir ein umfassendes Bild erlangen und die Ergebnisse abgestimmt sind. Es entsteht eine Transparenz für die Herausforderungen anderer, die zu einem gemeinsamen Verständnis über das Projekt führt. Am Ende entsteht durch das Involvieren eine Akzeptanz für die Lösung, die von den Beteiligten in die Organisation getragen wird. Die die Angst vor Veränderung sinkt.

DFC: Innerhalb ihrer Referenzen kann man erkennen, dass ihr Unternehmen sich mit sehr vielen großen Unternehmen beschäftigt. Vaillant, DZ Bank, E.ON, etc… Inwiefern sind Ihre Methoden auch für den deutschen Mittelstand anwendbar?

Dr. Simon Grapenthin: Gerade im Mittelstand sehe ich enormes Potential in der Digitalisierung von Unterstützungsprozessen. Während beispielsweise Versicherer einen hohen Automatisierungsgrad besitzen, sehe ich Nachholbedarf im Mittelstand. Typischerweise zeichnen sich solche Prozesse durch hohen Abstimmungsbedarf zwischen unterschiedlichen Organisationseinheiten und Menschen aus. An dieser Stelle setzen wir an und bieten von der Analyse bis hin zur Inbetriebnahme unsere Unterstützung an.

DFC: Viele Unternehmer haben derzeit das Gefühl vor einem riesigen Berg zu stehen und nicht genau zu wissen wo man beginnen soll. Welche Empfehlung haben Sie für Entscheider, die sich mit dem Thema digitale Transformation jetzt auseinandersetzen wollen?

Dr. Simon Grapenthin: Wenn ich mir die (sozialen) Medien ansehe, bekomme ich manchmal das Gefühl, alle machen künstliche Intelligenz, Big Data und IoT. Ich glaube, dass diese Technologien einen wesentlichen Teil digitaler Transformation ausmachen, aber ich weiß auch, dass viele Unternehmen erst einmal die Voraussetzungen schaffen müssen, um so etwas einsetzen zu können. Jeder Unternehmer sollte sich also die Frage stellen, wo das Unternehmen eigentlich steht, welche Ziele mit Digitalisierung verfolgt werden und welche Maßnahmen des bestmögliche Kosten-Nutzen-Verhältnis bieten. Diese gilt es dann anzugehen.  

DFC: Ganz herzlichen Dank für dieses aufschlussreiche Gespräch. Wir freuen uns, dass Sie auf dem Digital FUTUREcongress mit dabei sind.

Das Interview führte Michael Mattis Geschäftsführer und Veranstalter des DIGITAL FUTUREcongress.

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Sie finden die Interaction Room GmbH am 08.11.2018 am Stand D6 in Essen.

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